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Da nich für...!

Ereignislose ZugfahrtPünktlich um 9.10 Uhr verließ der IC 2500 den Kölner Hauptbahnhof. Anläßlich des Eminem-Konzerts machte ich mich zusammen mit Daniel auf den Weg nach Hamburg. Die Fahrt verlief weitgehend ruhig, wenn man von den drei Damen absah, die direkt neben uns saßen. Nachdem sich die anfängliche Aufregung, ob denn wohl die Dritte im Bunde pünktlich in Düsseldorf den Zug erreichen würde (hatte sie zum Glück - ich will gar nicht daran denken, was sonst los gewesen wäre), wechselten die Themen zwischen den Nachbarn über die Schreib-Lese-Schwäche des Sohnes bis zur Faszination von Toilettensitzen in öffentlichen WCs. Nicht besonders spannend. Daniel und ich lasen gemütlich Zeitung, blätterten in unseren Reiseführern und amüsierten uns über die Drei, die nach jedem Toilettengang eifrig ihre Hände mit übelriechenden Erfrischungstüchern und Sagrotan bearbeiteten. Ich könnte wetten, sie waren zum ersten Mal alleine mit dem Zug unterwegs.

In Hamburg angekommen, stolperten wir vor dem Hauptbahnhof zuallererst völlig unvorbereitet in den ZugChristopher Street Day 2003 des Christopher-Street-Days. Damit erklärte sich langsam auch die Frage der Dame bei der Buchung des Hotelzimmers, ob wir zu einem bestimmten Event nach Hamburg kämen (das Zimmer hatte übrigens Daniel direkt vor Ort gebucht...). Wir beobachteten eine ganze Weile das bunte Treiben, völlig fasziniert von den schrillen Gestalten, die durch Hamburgs Straßen zogen. Da das Wetter allerdings nicht ganz so heiß und sonnig wie in Köln war und wir ja noch einiges vorhatten, fuhren wir nach etwa einer Stunde mit der S-Bahn zum Hotel, natürlich nicht ohne vorher noch ein paar Bilder zu machen.

Hotel GastwerkIm Hotel Gastwerk angekommen, verschlug es mir zunächst mal für eine Weile die Sprache (sehr angenehmer Zustand, sagt Daniel). Das Hotel war wirklich herrlich, total geschmackvoll eingerichtet, völlig anders als sämtliche 08/15-Vier-oder-Fünf-Sterne-Hotels, die wir bisher gesehen hatten. Auf einem alten Fabrikgelände waren die einzelnen Fabrikgebäude ausgesprochen ansehnlich wieder hergerichtet worden. Neben dem Hotel gab es noch ein Fitnesscenter, eine Unternehmensberatung, Arcor hatte ein Gebäude dort bezogen, in der Mitte lag ein kleiner netter Teich und auf der anderen Seite rundete eine Einkaufszeile das ganze ab. Sogar der Aldi sah irgendwie stylish aus.

Im Hotel selber wirkte alles äußerst elegant, sehr minimalistische Einrichtung, jedes Detail genau abgestimmt, so daß das gesamte Hotel eine ausgesprochen angenehme Atmospähre verbreitete. Zum Daniel auf der Chaiselongueersten Mal fühlte ich mich in einem so schicken Hotel mit meinem Outfit auch nicht unwohl, da hier kaum Anzugsträger unterwegs waren. Am Empfang und in der Bar standen große Schalen mit Gummibärchen, es gab immer frisches Obst und auf dem Zimmer standen Erdbeeren mit Zucker für uns bereit. Ich glaube so oft wie in diesem Hotel wollte Daniel noch nie 'nur kurz was am Empfang klären'; ich bin ja fest davon überzeugt, er nutzte nur jedes Mal die Gelegenheit, sich wieder einen Schwung Gummibärchen einzuverleiben. In der Business Lounge konnte man im Internet surfen Erdbeeren auf dem Zimmeroder auf dem superbequemen Relax-Sessel abhängen und dazu die passende Musik hören. Unser Zimmer (Loft im 5. Stock) bestand aus einem großzügigen Raum mit sehr großen, hohen Fenstern (ich mußte zum Öffnen sogar auf die Fensterbank steigen), mit unverputzten Mauern, einem begehbaren Kleiderschrank und natürlich einem Badezimmer, alles mit schlicht-eleganter Einrichtung. Ich wollte gar nicht mehr hier weg. Wären wir nicht in Hamburg gewesen, hätte ich das Hotel wahrscheinlich keine Sekunde verlassen. Ich freute mich jedenfalls schon jetzt auf das Frühstück.

Zuerst aber gab es mal Mittag- bzw. Abendessen. Von seiner Schulung, die Daniel hier im Hotel GastwerkRestaurant Einstein gehabt hatte, kannte er ein kleines nettes Lokal, das Einstein ganz in der Nähe, in dem man sehr günstige Pasta bekommt. Mit so einem Riesentopf Spaghetti kann man mir ja schon eine richtig große Freude machen...!

Satt und zufrieden fuhren wir mit der S-Bahn wieder Richtung Innenstadt zum Jungfernstieg, bummelten die Binnenalster entlang und verschaften uns einen ersten Eindruck von Hamburg. Ich war gleich völlig begeistert und wir machten Pläne, was wir am Sonntag und Montag noch alles unternehmen wollten. Ich glaube, wir planten Programm für die nächsten drei Wochen! Abends waren wir noch im Kino, haben uns endlich Matrix Reloaded angesehen, was wir in Köln schon eine Weile vergeblich versucht hatten, nur leider kam immer wieder irgendetwas dazwischen.

Am nächsten Morgen gab es erst einmal ein ausgiebiges Frühstück mit Croissants, verschiedenen Brötchen, Laugenstangen, Obst, Wurst, Käse, Ei, Joghurt, Müslie, Tee, Säfte.....alles was man so zum Frühstücken braucht.. Als wir hinterher noch eine Weile im Foyer saßen und abwechselnd die schicken Toiletten aufsuchten, kam Detlef Dee! Soost zum Auschecken an den Empfang. Eigentlich wollte ich ihn ja fragen, ob er aus mir auch einen Popstar machen könnte, nur leider kam ich nicht rechtzeitig aus meinem gemütlichen Ledersessel hoch.

BlankeneseFür unseren 2. Tag in Hamburg hatten wir geplant, die Elbchaussee entlang zu wandern. Wir begannen im schicken Villenviertel von Blankenese. Die Häuser dort können sich schon sehen lassen, keine Frage. Wir kamen aus dem Staunen nicht heraus. Der Bummel an der Elbe entlang war sehr entspannend und gemütlich, wir beobachteten sowohl die kleinen Sportflitzer als auch die großen Lastkähne, die an uns vorbeizogen, genossen das herrliche Wetter und die schöne Gegend. Am Strand von Övelgönne machten wir Blankenese kurz Rast, aßen und tranken etwas, sahen den Wellen zu, die in der Sonne glitzerten und beobachteten die Leute, die hier den schönen Tag an der Elbe genossen. Besonders gut gefielen uns die kleinen ehemaligen Kapitäns- und Lotsenhäuser mit ihren liebevoll gepflegten Gärtchen, die auf jeden Fall einen Abstecher lohnen. Unsere Reiseführer empfahlen die Tour an der Elbchaussee entlang übrigens beide von St. Pauli Richtung Blankenese. Wir liefen genau in die entgegengesetzte Richtung, was sich als die bessere Entscheidung erwies: So mußten wir die zahlreichen Treppen der Himmelsleiter nur runterlaufen statt hinauf. Ich muß vielleicht noch hinzufügen, daß wir nicht die ganzen 10 Kilometer der Tour gelaufen sind. Zwischendurch gab es immer wieder die Möglichkeit, kurze Strecken mit dem Bus zu fahren, was wir dann auch an den weniger sehenswerten Ecken getan haben. Anschließend schauten wir uns noch ein bißchen bei den Landungsbrücken um und 'unterquerten' zu Fuß die Elbe durch den alten Elbtunnel, der wirklich sehenswert ist. Im Nachhinein hatten wir uns auch überlegt, daß die ganze Strecke mit dem FaEingang zum Elbtunnelhrrad sehr reizvoll sei und beschlossen, uns das für den nächsten Besuch zu merken.

Als wir von den Landungsbrücken zurück zum Hotel fahren wollten,St. Pauli Landungsbrücken wurden wir mit dem 2. Bombenalarm an diesem Wochenende konfrontiert. Aufgrund eines gefundenen Koffers war der Bahnhof Hamburg Altona für den Zugverkehr komplett gesperrt, so daß wir auf Umwegen und mit dem Bus wieder zurück zum Hotel fuhren, um uns für das Eminem-Konzert umzuziehen. Da in unserem Wochenend-Special des Hotels auch zwei Taxi-Gutscheine enthalten waren, konnten wir uns aber ganz ohne Hektik zur AOL-Arena fahren lassen (Originalton des Taxifahrers: Zur AOL-Arena? Spielt da nicht heute der Ännimän? .....). Dort herrschte schon dichtes Gedränge, so daß wir erst noch eine ganze Weile draußen anstehen mußten. Immerhin erwischten wir drinnen noch einen ganz guten Platz direkt hinter der ersten Absperrung und ich war mit meiner Situation ziemlich zufrieden. Mehr als unschön war allerdings, daß die Ordner in der 1. Pause auf die glorreiche Idee kamen, die Absperrung ein Stück nach hinten zu verschieben, damit die Leute im vorderen Teil des Stadions noch viel mehr Platz und wir dafür umso weniger hatten. Unsere guten Plätze mußten wir in dem danach entstehenden Gedrängel ziemlich schnell wieder aufgeben und ich fing an, leichte Aggressionen gegen meine Mitmenschen zu entwickeln. Ich denke, ich bin wahrscheinlich einfach konzertuntauglich, da mir brennende Zigarettenkippen an meinen Händen sowie senfverschmierte Schnurrbärte oder Achselschweiß im näherem Umkreis von 50 Metern einfach furchtbar unangenehm sind. Gleiches gilt für pubertierende Mädels, die sich vor lauter Aufregung die WarzenDaggi an der Elbe an ihren Fingern blutig beißen. Igitt! Schon gar nicht mag ich es ja, wenn sich jemand mit dem Ellbogen auf meiner Schulter abstützt. Damit das klar ist: Außer Daniel darf das grundsätzlich NIEMAND. Der Typ neben mir hat das auch schnell kapiert. An diesem Abend vergaß ich meine gute Kinderstube völlig! Leider war der Anteil an Vertretern aus der Proll- und Rüpelfraktion nicht gerade klein, aber mal ehrlich, was hab ich eigentlich erwartet auf einem Eminem-Konzert? Sehr unterschiedlicher Meinung kann man natürlich auch über Achselbehaarung bei Frauen sein. Bei der Frau, die kurzfristig neben mir stand, dachte ich aber wirklich, der Pelz unter ihren Armen müßte jeden Moment davonlaufen. Bei diesem Anblick habe ich selber freiwillig das Weite gesucht.

Bis zur 2. Pause hatten wir uns wieder erfolgreich zur Absperrung vorgekämpft. Aufgrund von Ohnmachtsanfällen oder wagemutigen Fans, die sich an den Ordnern vorbei vor die Absperrung zwängten, um postwendend durch die Seiteneingänge wieder rausgeschmissen zu werden, wurde es vor uns langsam wieder etwas lichter. In der 2. Pause beschlossen die Ordner allerdings, für die Fans vor der Absperrung, die ja sowieso schon in der wesentlich besseren Position waren, noch einen Würstchenstand vor die Absperrung zu holen. Dafür mußte aber erst Platz gemacht werden, so daß wir recht schnell wieder an Land verloren. Das Gedränge war einfach unerträglich. Meine Wut auf die Ordner ebenfalls. Hatte ich nicht auch 52,- Euro für meine Karte gezahlt? Genauso wie die Leute vor der Absperrung? Nun gut. Mit permanentem Auf-die-Füße-treten und Ellenbogenausfahren arbeiteten wir uns trotzdem wieder nach vorne, allerdings nur, um dann zu Beginn des eigentlichen Konzerts mit Eminem und 50 Cent völlig entnervt unseren Platz in der ersten Reihe kampflos aufzugeben. Inmitten von völlig enthemmten Eminem-Fans war es hier nicht mehr auszuhalten. Das Konzert haben wir dann aber trotzdem noch genossen. So etwa in der vorletzten Reihe des Stadions. Wirklich froh waren wir hinterher über den zweiten Taxigutschein, da wir beide kaum noch laufen konnten und abends nur noch totmüde ins Bett fielen.

SpeicherstadtAm nächsten Morgen gab es wieder ein leckeres Frühstück, Zeitungen zum Mitnehmen, Gummibärchen als Nachtisch....Ich war mit meiner Umwelt wieder völlig versöhnt! Nur von dem tollen Hotel hab ich mich schweren Herzens getrennt. In der Stadt haben wir uns mit einer Hafenrundfahrt noch einen schönen Eindruck von Hamburg verschafft. Als Schwabe ist so ein Hafen für mich ja eine völlig andere Welt, aber wirklich sehr beeindruckend. Leider konnten wir die Speicherstadt nur von außen begutachten, aber das war schon sehr sehenswert. Beim nächsten Mal mehr!

Den Rest des Tages verbrachten wir mit Shoppen in ein paar sehr netten Läden in der Innenstadt. Besonders erwähnenswert ist hier JUN Guys & Dolls am Gänsemarkt mit schicken Klamotten und ausgesprochen nettem und hilfsbereitem Personal, was man vom schräg gegenüberliegenden TATE nicht gerade behaupten kann. Die leicht blasierten Gesichter der Verkäuferinnen nahmen mir ziemlich schnell den Spaß am Einkaufen, so daß wir uns hier nicht länger aufhielten. Unser letzter Abstecher führte uns dann mehr oder weniger zufällig noch zur Sternschanze, meiner Meinung nach aber die deutlich coolere Gegend zum Einkaufen, wirkt dieser Teil Hamburgs im Vergleich zum eleganten Jungfernstieg, den Schuhe gekauft bei SisterhoodColonnaden und der Ecke Neuer Wall doch wesentlich bunter, hipper und multikultureller. Leider blieb uns für die Läden hier nicht mehr allzuviel Zeit, für ein paar Schuhe bei Sisterhood hat es aber dennoch gereicht. Und für ein schnelles Mittagessen beim Chinesen.

Für den Rückweg hatten wir übrigens noch günstige Tickets für den Metropolitan erwischt, ein ausgesprochen angenehmer Zug und die Wahrscheinlichkeit, hier einem stark alkoholisierten Kegelclub über den Weg zu laufen, der einem dann die gesamte Zugfahrt vermiest, ist ausgesprochen gering. Die Ausschreitungen am Abend anläßlich des Bundeswehr-Gelöbnis auf dem Rathausmarkt haben wir zum Glück nicht mehr mitbekommen. Gegen 23.00 Uhr waren Daniel und ich wieder in Köln....bereits mit neuen Plänen für den nächsten Hamburg-Trip!

Auf der Rückfahrt im Metropolitan las ich zufällig noch einen alten Artikel im jetzt.de der Süddeutschen Zeitung über die Metropole Hamburg, in der der Satz 'da nich für' immerhin als wichtigster Satz für die Stadt genannt wurde. Kann mir eigentlich mal einer sagen, was das heißt?

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