Über mich

 Geschichten
     Reiseberichte
       
Island 2001
         Berlin 2002
         Toskana 2002
         Gran Canaria 2002
         Hamburg 2003
         Frankreich 2003
             Provence
             Côte d'Azur
         Piemont 2004
     Geschichten
     Blog

 Bilder

 Links

 Gästebuch 

 

 

 Index > Geschichten > Reiseberichte > Frankreich > Provence > 2. Tag

 


2. Tag (Donnerstag, 10.07.2003):
Ausflug zum Pont du Gard

Eigentlich hatten wir heute vorgehabt, richtig lange zu schlafen, aber der Tagesablauf in einem provenzalischen Dorf ist anders: Schon Bei Saint-Laurent-des-Arbresum 8.00 Uhr früh wurde in den umliegenden Häusern losgewerkelt, der kleine Ort begann sich zu regen. Wir schafften es immerhin, die Geräusche bis ca. 10.00 Uhr zu ignorieren. Nachdem wir uns dann doch schweren Herzens zum Aufstehen entschlossen hatten, machte ich mich auf den Weg zur alimentation, dem örtlichen Lebensmittelladen, um ein bißchen Obst und Gemüse einzukaufen. Fröhlich beschwingt betrat ich den winzigen Laden und während ich mir noch die orangefarbene Sonnenbrille in die Haare schob verstummte das Gespräch zwischen Verkäuferin und der einzigen weiteren Kundin schlagartig bei meinem Anblick. Ich muß auf die beiden wie ein Paradiesvogel gewirkt haben und hätte mich in diesem Moment in einer Prada-Designerboutique kaum deplazierter fühlen können. Nach einer kurzen Schrecksekunde ging das Gespräch maschinengewehrartig weiter, aber das einzige Wort, das ich laut und deutlich verstehen konnte war touriste. Die sprachen über MICH! In einem kurzen Anflug von Panik kaufte ich zwei Pfirsiche statt wie geplant etwas Wurst fürs Frühstück und verließ den Laden so schnell wie möglich.

Die Boulangerie von Saint-LaurentDanach ging es zur boulangerie, der Bäckerei, wo ich in formvollendetem Französisch ein Baguette und zwei Croissantes bestellte. Das klappte einwandfrei, allerdings überlegte ich hinterher, ob man in Frankreich wirklich Baguette und Croissante sagt oder ob das eingedeutschte Begriffe sind (Anmerkung: Später erfuhr ich, daß die Baguettes, die wir immer kauften, in Frankreich als gros pain bezeichnet werden). Die Verkäuferin ahnte jedenfalls, was ich wollte. Mittlerweile völlig verwirrt starrte ich auf die französischen Euros, als wenn ich vorher noch nie welche gesehen hätte. Die Vielzahl von Touristen auf Gran Canaria war eine Sache. Etwas ganz anderes war es aber, zu den ganz wenigen Touristen vor Ort zu gehören. Ich fühlte mich der Situation noch nicht ganz gewachsen und hoffte, daß ich mit der Zeit etwas mehr Routine beim Einkaufen entwickeln würde.

Mein Jahr in der Provence (Peter Mayle)Daniel stand in der Zwischenzeit völlig entspannt unter der Dusche und ahnte von all dem natürlich nichts. Sein Tag begann mit einem leckeren Frühstück. Hinterher blieben wir noch ganz gemütlich auf dem kleinen Balkon sitzen, Daniel las Zeitung, ich in dem Buch von Peter Mayle "Mein Jahr in der Provence", das mir mein Chef als Leselektüre empfohlen hatte und welches passenderweise in unserer Ferienwohnung lag. Später wälzten wir unseren Reiseführer und überlegten, daß wir den ersten Tag für einen Abstecher zum Pont du Gard nutzen könnten. Der Pont du Gard ist gut 30 km von St. Laurent des Arbres entfernt. Auf dem Weg dahin konnte ich mich an ein paar Dinge erinnern, die mir aus meiner Jugend noch von zahlreichen Touren durch Frankreich nach Spanien in Erinnerung waren. Zum einen, daß die Pont du GardFranzosen häufig kurvenreiche Straßen durch geradlinigere neue ersetzen und anschließend die alten Straßen zu hübsch von Platanen umsäumten schattigen Parkbuchten umfunktionieren. Oder die vielen Obstverkäufer am Straßenrand, die in kleinen mehr provisorisch wirkenden Holzunterständen ihre Waren anbieten. Da ich deren Obst und Gemüse von früher als sehr lecker in Erinnerung hatte, deckten wir uns gleich ordentlich ein. Nachdem ich nur hilflos auf die Nektarinen zeigte, da mir das französische Wort dafür entfallen war, fügte ich nicht ohne stolz und in tadellosem französisch hinzu, daß mir der Name dieser Frucht leider nicht bekannt sei. Etwas erstaunt, aber nicht unfreundlich meinte die ältere Dame "nectarine?" - Französisch ist so einfach: Man läßt einfach die letzte Silbe weg und betont die Endsilbe. Meistens klappt das. Und die restlichen 20 Worte kann man in jedem ordentlichen Wörterbuch nachlesen. Wir hatten leider nur ein sogenanntes Urlaubslexikon dabei, in dem so wenig hilfreiche Worte standen wie z. B. Nierensteine, Frauenarzt, Synthetik und Skischule.

Pont du GardSchließlich erreichten wir den Pont du Gard. Die ordentlichen Parkgebühren von 5 Euro waren schnell vergessen, als wir den Aquädukt erblickten. Welch ein herrliches Fleckchen mit erstaunlich wenigen Touristen. Der Reiseführer empfahl festes Schuhwerk. Etwas betreten blickte ich auf meine Flip Flops. Das mußte auch ohne gehen! So wanderten wir ganz gemütlich zum ehemaligen obersten Durchgang hinauf, der mittlerweile leider - aber sicher besser für das Bauwerk - gesperrt ist, genossen dort den herrlichen Ausblick auf das Flußtal, überquerten die tieferliegende Brücke über den Gard und setzten uns am Schluß noch unten ans Wasser. Man bekam augenblicklich Lust zum Kanufahren, Schwimmen und Faulenzen. Leider reichte uns die Zeit dazu nicht mehr, so daß wir uns langsam auf den Heimweg machten. Auf dem Rückweg nach Saint-Laurent hielten wir noch an einem Supermarkt, der zwar ein großes Angebot hatte, dafür aber hinterher unsere Kreditkarten nicht akzeptierte. Zum Glück waren die Toiletten beim Pont du Gard kostenlos: Unser Bargeld reichte fast auf den Cent genau.

Pont du GardDen Abend verbrachten wir wieder auf unserem Balkon - ganz untypisch für die Provence - bei einem Linseneintopf aus der Tüte und Fertigspätzle, da wir keine große Lust auf Kochen hatten. Hier noch der Hinweis, daß die Franzosen tatsächlich behaupteten, Spätzle kämen aus dem Elsaß. Der Herstellernachweis auf der Packungsrückseite nannte allerdings einen Ort in Baden-Württemberg.

Einer auf Gran Canaria liebgewordenen Gewohnheit folgend, machten wir uns nach dem Essen zu unserem ersten Abendspaziergang durch den Ort auf. Die Temperatur war herrlich, wenige Laternen erleuchteten die Straßen und es war kaum eine Menschenseele unterwegs außer....unverkennbar an den schicken Klamotten und den umgehängten Handtaschen: Siehe da, es gab doch noch ein paar Touristen mehr in Saint-Laurent-des-Arbres!

 Impressum